doepkesdistanz

6.8.2005– 1. Döpkes Distanz – oder: wachsen Ponies eigentlich Schwimmhäute?

 

Im Tross mit Christel in Spenge angekommen, fing es gleich nach dem Aussteigen aus der elterlichen Protzkiste an zu regnen, und tatsächlich sah es nicht so aus, als ob es irgendwann noch einmal aufhören würde.

Nachdem die Ponies dick eingepackt in ihren Paddocks verstaut waren, versuchten Christel und ich uns am Aufbau ihres Aldi-Pavillons – wir gaben aber auf halber Strecke auf, und da wir den Pavillon nicht mehr zusammengefaltet bekamen, zerstörten wir ihn an Ort und Stelle – manchmal muss man seinen destruktiven Kräften eben freien Lauf lassen. 

Und irgendwann saß man im Bierzelt, bei guter tüttenbergscher Laune, ein paar Würstchen und viel Bier und ließ den verregneten Abend gemütlich ausklingen.

Tüttenberg und Co. feierte doch noch etwas länger als wir, und das mit gehöriger Lautstärke, wahrscheinlich um uns partizipieren zu lassen – leider berücksichtigten sie nicht, dass ich um 4:45 füttern musste und mein Schlaf dementsprechend kurz war, denn bis 4 Uhr rumorte es im Bierzelt mit durchaus zunehmendem Geräuschpegel.

 

Umso erfreuter war Tütti, als ich am nächsten Morgen zur durchaus zivilen Zeit um 7:25 an seinen Transporter klopfte und mein versprochenes Reserverad einforderte. Schließlich wollte ich nicht noch einmal unterwegs wegen eines Platten aufgeben müssen.

Nachdem ich Tütti mit größtmöglicher Vorsicht geweckt hatte, rumpelte es im Transporter, so dass ich dachte, er käme gleich zum Vorschein – und es ward wieder still. Nach einigen Minuten des Wartens überdrüssig, ging ich um den Transporter und sah das Rad vor der geschlossenen Hecktür liegen – er hatte wohl die Tür aufgemacht, das Rad hinausgeworfen und die Tür wieder hinter sich zugepfeffert – ich möchte nicht wissen, was der für einen dicken Schädel gehabt haben muss.

 

Nachdem alles soweit erledigt, verstaut und fertiggepackt war, machten das Pony und ich uns um 8:13 auf die 82km lange Strecke. Es lief sehr nett, das Wetter war gut, und nach ein paar Kilometern holten Yvonne mit Rasputin und Janina mit Alster uns ein, so dass wir uns im lustigen Ponyfahrerpulk auf den Weg in die erste Pause bei Kilometer 20 machten. Alster und Vimpy passierten die Pulskontrolle problemlos, Rasputin hatte leider etwas Probleme mit seinen Hormonen, meinte offensichtlich, sich aufregen zu müssen und blieb prompt im Puls hängen.

Zwanzig Minuten später machten Janina und ich uns also weiterhin auf die Strecke. Es war sehr nett, sonnig, fast sogar warm (etwa 15° - am 6. August wohlgemerkt), die Strecke fantastisch markiert und die Laune gut.

Auch zur nächsten Pause bei km 40 waren die Ponies direkt im Puls unten und wir genossen 30 Minuten Pause bei strahlendem Sonnenschein. Ich hatte zwischendurch den totalen Müdigkeitsdurchhänger (danke an Tüttenberg) und wäre fast auf der Wiese eingeschlafen. Pünktlich zur Pausenausfahrt zog sich der Himmel langsam zu und es wurde merklich kühler, um nicht zu sagen kalt. Die ersten Tropfen waren wie Nadelstiche, das Spritzwasser aus den mittlerweile zahlreichen Pfützen auf der Strecke im Vergleich richtig warm. Kurz darauf öffnete der Himmel seine Schleusen, und ich vermag nicht zu sagen, ob überhaupt irgendetwas trocken blieb.

Das Gewitter zog auch immer näher, und als wir kurz vor der 60km-Pause mitten zwischen zwei Feldern fuhren und Blitz und Donner gleichzeitig über uns krachten, bekam ich es doch etwas mit der Angst zu tun – Janina war auch sehr froh, als ich Gas gab.

Das Gewitter verzog sich langsam, der Regen blieb, kalt war es auch und der Ponyhintern vor mir wurde mit jedem Schritt kleiner und verkrampfter. In der Pause angekommen, ließ ich mir von einem Pulshelfer die Checkkarte aus der Tasche befreien – meine Finger waren für solche Arbeit nicht mehr zu gebrauchen, kalt, nass und unbeweglich – dann packten wir unsere Pferde generalstabsmäßig in Decken ein. Vimpy bekam Missies Regendecke mit Fleecefüllung – das sah sehr lustig aus, hielt aber den Ponyhintern schön warm, er konnte darunter sogar abtrocknen, und Alster wurde in eine gelbe Fleecedecke eingewickelt, der Anblick hatte auch etwas für sich.

In der ersten Kurve nach der Pause begegneten wir Yvonne und Rasputin – die Armen waren erst auf dem Weg in die Pause, hatten also hier schon rund eine halbe Stunde Abstand auf uns.

Vimpy sah im Trab sehr witzig aus – die obere Schicht der Decke blähte sich auf, das Pony sah aus wie ein Michelin-Männchen. Die letzten 20km absolvierten wir ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die Laune war mittlerweile im Keller, Schuhe und Chaps zentimeterweit mit Schlamm bedeckt, die Strecke nur noch schlammig, rutschig und mit teilweise bis zu 70m langen, tiefen Pfützen bedeckt. Glücklicherweise, um es noch einmal zu betonen, war das Pfützenwasser ziemlich warm – und ziemlich dreckig. Die Ponies hatten auch nicht mehr die rechte Lust – scheinbar ebenso wie die Streckenposten, die hatten sich nämlich schon auf den Weg gemacht (dabei freut man sich über jeden, der bei solchem Wetter das gleiche Los teilt!).

Um 16:12 fuhren wir denn unter unserem eigenen Jubel endlich ins Ziel – fast wären wir nicht bemerkt worden, da die Pulshelfer und Zeitnehmer sich im Pferdehänger verschanzt hatten und über unsere Ankunft im strömenden Regen scheinbar nicht wirklich erfreut waren, hieß es doch für sie „raus in den Regen und dreckige Pferde messen“.

Schnell zum Paddockplatz, das Pony abschirren und die Chaps ausziehen, da wog nämlich jedes Hosenbein etwa 5kg. Leider war es eindeutig viel (!) zu kalt, um das Pony abzuwaschen, ich spritzte ihm nur ein wenig die Beine ab, um ihn vom gröbsten Schlamm zu befreien. Beim Loslaufen ging das Pony um die erste Kurve, als ob es noch angespannt wäre, was sehr zur allgemeinen Belustigung führte.

Bei der Nachuntersuchung jedoch präsentierte es sich sehr gut (und die Tierärzte waren dreckige Pferde vermutlich schon gewöhnt), wahrscheinlich wusste es, dass es nur seine Sache gut zu machen brauchte, um ab sofort für den Rest des Tages Ruhe zu haben. Sogar die seltsamen Hippotech-Beschläge haben die 82km noch geschafft – auch wenn sie recht abgewrackt waren.

Auch Alster kam gut durch die Nachuntersuchung und Janina und ich freuten uns über den ersten geschafften 80er mit fitten Pferden.

Das Pony verzog sich in seinen Paddock und fiel gleich über sein Heu her wie eine ausgehungerte Raubkatze, auch wenn mein Pummelchen immer noch nicht danach aussah. Aber besser zu pummelig als zu dünn.

 

Und dann kam das Beste des gesamten Tages: ich kochte mir einen halben Liter Wasser, mischte ihn in einem Eimer mit kaltem Wasser zu einem schönen warmen Fußbad und wärmte mich wieder auf. Danach in trockene Socken und Gummistiefel schlüpfen – was für ein Luxus! Manchmal kommt es soweit, dass man sich über die ganz kleinen Dinge im Leben sehr freuen kann.

 

Natürlich regnete es den Rest des Tages auch. Nach der Siegerehrung reisten die meisten Kurz- und Mittelstreckler ab, die meisten jedoch nicht aus eigenem Antrieb, sondern mit Hilfe eines „echten“ Geländewagens, was mir schon rechte Hoffnungen für die Protzkiste und den morgigen Tag machte.

Wir verbliebenen nassen Häufchen saßen denn abends wieder im Bierzelt und versuchten, wieder zu Kräften zu kommen. Yvonne hatte sich bei dieser Fahrt die Tapferkeitsmedaille verdient, denn Rasputin hatte auf der zweiten Runde auf stur geschaltet und den Tempomat auf 10-12km/h eingestellt – er weigerte sich hartnäckig, schneller zu laufen. Langweiliger geht’s kaum, und das unter diesen Bedingungen, Respekt.

Relativ früh fielen wir in unsere Zelte respektive Anhänger und schliefen bis morgens – meine Güte hatte ich einen verspannten Rücken.

Vor der Transportfreigabeuntersuchung gingen wir eine große Runde ums Dorf, Vimpy wirkte fit, ausgeschlafen und bereit zu neuen Taten. So machte er denn auch einen wirklich guten Eindruck bei der Untersuchung und ich war wirklich sehr stolz auf ihn – umso stolzer, als der Tierarzt eine Stunde später, als ich mitten im Einpackstress war, auf mich zukam und mir zum Best Condition gratulierte. Statt eines gescheiten Kommentars brachte ich nur ein „oh“ heraus, aber das sei mir bitte verziehen…

Hach, war das schön. Das Pony gutgelaunt, es hatte zwischenzeitlich aufgehört, so stark zu regnen und tröpfelte nur noch, und gleich beim ersten Langstreckenversuch den BC.

Und als dann noch die Protzkiste den Hänger selbständig aus dem Matsch zog, war der Tag gerettet, denn wir konnten zügig heimfahren.

 

Dass Vimpy daheim auf der Wiese direkt den großen Macker machte und den großen Warmblutwallach, der sich in der Zwischenzeit um seine Mädels gekümmert hatte, direkt wieder auf seinen Platz verwies, erfreute mich auch sehr – und die schöne warme Dusche, die ich mir zuhause angekommen gönnen durfte.

 

So war es unterm Strich toll, die 80 geknackt zu haben, die Rahmenbedingungen jedoch alles andere als einfach. Andauernde Kälte und Nässe drückten auf die Stimmung und verspannten manchen Pferderücken – gegen ersteres hilft Bier Gott sei Dank sehr gut, gegen letzteres in manch einem Fall leider nicht einmal drei Decken.

 

Jedoch die nette, familiäre Atmosphäre entschädigte für das schlechte Wetter – es gibt doch einen Unterschied zwischen 60 und 130 Startern, und einmal mehr hat mich diese Distanz darin bestärkt, Massenveranstaltungen in Zukunft zu meiden.

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