Peerschiet Run

„Wachsen Ponies eigentlich Schwimmhäute?“ – Teil 2

 

Die Beschläge sind fast abgeschliffen, das Pony hustet und ist vors Bein getreten worden, jeder Wetterdienst erzählt von Unwetterwarnungen für den Bereich Minden-Lübbecke – beste Voraussetzungen, um 86km zu fahren!

 

Mit einem etwas mulmigen Gefühl machte ich mich auf den Weg. Der gemietete Hänger war sehr seitenwindempfindlich. Trotzdem stand das Pony so ruhig, dass ich ihn während der ganzen Fahrt nicht einmal gesehen und mich schon gewundert habe, ob er nicht schon lange unbemerkt ausgestiegen ist.

 

Ab der Autobahnabfahrt ging es nur noch im Schleichtempo vorwärts, ja mei, ich wusste gar nicht, dass es in Ostwestfalen so viele Menschen gibt?!

Die Straße nach Ovenstädt war offiziell gesperrt. Kurze Rücksprache mit der Veranstalterin Elke Laqua: Straßenschilder ignorieren und hurtig weiterfahren.

 

Die Wiese war noch fast unbesetzt, einzige Nachbarschaft waren das Team Lange aus dem Sauerland und Berliner mit einem Defender, zwei Araberbuben und nichtwindfesten Zelten (sehr witzig anzusehen).

So konnte ich mein Gespann noch so platzieren, dass das Pony sich in den Windschatten dahinter stellen konnte.

Das war auch dringend notwendig, denn als wirklich freundlich konnte man das Wetter nicht bezeichnen. Aber so lange es nicht schneit, ist ja alles in Butter.

 

Nachdem der Sulky ausgepackt und zusammengeschraubt und das Auto bettfertig hergerichtet war, gingen wir zum gemütlichen Teil des Abends über. An der Wirkung des nicht besonders leckeren Detmolder Pilsener merkte ich sehr bald, dass es gut gewesen wäre, vorher etwas zu essen… das holte ich dann schleunigst nach und verspeiste zwei Schweinestücke mit Nudelsalat, der allerdings so mayonnaisig war, dass mir danach erst recht schlecht wurde.

Schon recht zeitig verabschiedeten Janina und ich uns und verzogen uns in den schwarzen Panzer. An Schlaf konnte ich natürlich nicht denken, ich musste ja stetig kontrollieren, ob es meinem grauen Schatz auch gut ging.

Dem ging es so gut, dass er die halbe Nacht auf der Seite lag und den Schlaf der Gerechten schlief (inkl. Träumen und Hinterbeinzucken). Nicht einmal zur Fütterung um vier Uhr morgens bequemte er sich, aufzustehen! Nachdem ich ihn eine Stunde schlafend neben seinem Eimer beobachtet hatte, entschloss ich mich, ihn zu wecken und ihm sein Futter notfalls vorzukauen, damit bis zum Start noch genug Zeit zum Verdauen verginge.

Nachdem die Körnchen endlich alle im Pony verschwunden waren, legte ich mich noch mal ins Busschen und ließ mir durch die geöffnete Schiebetür die Sonne ins Gesicht scheinen – mei, was ein schönes Wetter!

 

Die Voruntersuchung um 6:30 verlief anstandslos, danach haben wir schnell das Nötigste zusammengepackt und gefrühstückt und dann musste ich auch schon los und das Pony anspannen und abfahren.

 

Um 8:05 machten wir uns alleine auf die Strecke.

Das Pony lief gut, die Sonne schien, die Strecke gefiel. Viel Asphalt war’s, und nach ein paar Kilometern schwand meine Hoffnung, dass bis zur Pause noch mal ein größeres stück Nichtasphalt käme – aber dem Pony machte der harte Boden scheinbar nichts aus, also ging es wacker ab.

Yvonne und Rasputin hatten wir bald eingeholt und versuchten, zusammen zu fahren, das ging aber irgendwie nicht, weil Vimpy tempomäßig den Volldeppen spielte und nur rumkasperte. Also ließ Yvonne mich ziehen und Vimpy und ich erreichten bald darauf die erste Pause bei km 23. Er wirkte fit und ausgeschlafen (klar, die Penntüte hatte mich ja auch die halbe Nacht wachgehalten) und hatte sofort einen Puls von 64.

20 Minuten später ging es weiter auf die 20km-Runde, die wir zweimal zu gehen hatten. Diese Runde war echt schön, abwechslungsreicher Boden, Wald, Heide, Feld, sehr interessant und auch schön zu fahren. Auf der ersten Runde fand ich eine Strecke so schön, dass ich gleich mal eine Abzweigung verpasste und ca. 2km weiter geradeaus fuhr, bis es mir irgendwann komisch vorkam, ein Ortsschild zu sehen, aber nicht den dazugehörigen Ort in der Karte zu finden. Also umgedreht und wacker wieder zurück – und siehe da, man hätte die Markierung schon von weitem sehen können können… wenn man richtig hingeguckt hätte.

Bald erreichten wir den Wendepunkt, an dem wir uns einen „Stempel“ zum Beweis, dass wir nicht abgekürzt hatten, abholten, wendeten und fuhren zurück – was das Pony richtig dämlich fand, denn schon wieder wenden widerstrebte seinem Ziel, wacker voranzukommen, doch sehr.

Sobald wir nach dem Wendepunkt die bisher unbekannte weiterführende Strecke erreicht hatten, lief er aber wieder schön voran.

Alldieweil zog sich der Himmel langsam zu und der Wind blies ständig kräftiger. Trotzdem erreichten wir die zweite Pause bei km 43 noch trockenen Fußes. Hier hatten wir 30min. zu pausieren und ich spürte, wie sich mir die Müdigkeit dank der vorher mehr oder minder durchwachten Nacht langsam bleiern auf die Schultern legte. Mag nicht jemand anders mein Pony nach Hause fahren?

Naja et hilft alles nix, und so bestieg ich nach der halben Stunde wieder meinen Sulky und fuhr dieselbe Runde noch mal.

Der Wind verwandelte sich langsam in Sturm und es fing an zu regnen; natürlich erst, nachdem es richtig kalt geworden war, wäre ja sonst auch nur halb so schön gewesen.

Auch die zweite Runde brachten wir halbwegs gut hinter uns, und sowie wir in der Pause ankamen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Gut, wenn man in so einem Fall viele Regendecken hat. Die 30minütige Pause dauerte diesmal ewig, die Motivation war auf Null. Ich fror und mir war kalt, außerdem schlotterte ich, weil es nicht mehr so warm war.

Aber heim wollen wir jetzt! Also ging es wieder auf den 23km langen Heimweg.

Mein trotteliges Pferd erkannte die Strecke leider nicht wieder. So kam nicht etwa ein Motivationsschub à la „wir sind gleich zuhause, juhu!“ sondern nur ein „baaah ey ich habe keine Lust mehr, dich durch das Scheißwetter zu ziehen!“.

Wenige Kilometer vor dem Ziel schreckte uns Hufgetrappel von hinten aus unserer Lethargie: die Fürhoffs rasten heran, völlig frei von Motivationsproblemen, scheinbar. Gehorsam machten wir Platz und hängten uns anschließend hintenan, was das Pony dann auch wieder begeisterte.

An einer Weggabelung hielten wir alle drei an und überlegten, und während wir da so standen und überlegten, kamen auch Yvonne und Rasputin angetrapst, Rasputin mit seinem typischen, leicht großkotzigen „Ha! Ich hab euch!“ im Blick und Yvonne genauso „wenig“ verfroren wie ich.

Zu viert fuhren wir dann ins Ziel und freuten uns, dass der Regen wenigstens für diese Zeit ausgesetzt hatte.

Am Gespann angekommen, haben wir schnell abgeschirrt, das Pony ein bisschen notdürftig gesäubert und sind dann zum Nachmessen und zur Nachuntersuchung gestratzt – alles fit, Pony sah gut aus und wurde vom Tierarzt gelobt.

 

Eines der Fürhoff-Pferde fiel leider wegen zu hohem Puls aus, das andere und Rasputin brachten die Nachuntersuchung allerdings auch mit Bravours hinter sich.

 

So, fertig! Faulsein, trockene Sachen anziehen, entspannen angesagt!

Denkste, kaum war das Pony versorgt und warm und trocken eingepackt, erfrischte uns ein nicht allzu unergiebiger Schauer.

Was ein Glück, dass der Panzer dem Pony Wind- und ein bisschen Regenschutz bot!

 

In dem Sinne verklang der Abend. Einige der Reiter – Hannes vom Güldenhof und die Berliner – mussten voll durch den Schauer reiten und wir, die wir trocken im Carport standen, hatten doch ein bisschen Sorge um die sechs.

Auch sie kamen allerdings irgendwann an, und nachdem die Pferde die Nachuntersuchung alle gut überstanden hatten, machten wir es uns im Carport gemütlich, warteten auf die Siegerehrung und stopften uns die hungrigen Wänste mit Schweinestücken voll.

 

Nach und nach reisten die Reiter des nächsten Tages an, was bei uns zu kleineren Panikanfällen führte: wenn die uns jetzt fröhlich zuparken, kommen wir morgen früh nicht hier raus! – aber auch dies ließ sich durch ein paar nachdrückliche Worte lösen.

 

In Anbetracht des schlechten Wetters hatte Elke sich kurzfristig ein paar Boxen aus dem Ärmel gezaubert, obwohl laut Ausschreibung keine zur Verfügung gestanden hätten – ein tolles Engagement. Nach einem Blick in die Vorhersage entschlossen wir uns jedoch einstimmig, die Pferde in den Paddocks zu lassen.

Nachts lag ich dann in Sturm und Schauern wach und überlegte, ob das wohl die richtige Entscheidung gewesen wäre. Irgendwann quälte mich die Frage nach Vimpys Wohlergehen so, dass ich halbnackt in die Gummistiefel schlüpfte und ihn von Nahem in Augenschein nahm – glücklicherweise war es so dunkel, dass mich hoffentlich niemand gesehen hat.

Wider erwarten war das Pony unter seiner Decke nicht nur warm und trocken, sondern machte auch noch einen quietschfidelen Eindruck. Also doch die richtige Entscheidung.

Trotzdem grübelte ich den Rest der Nacht über Lösungen, dem Pony ein mobiles Dach über den Kopf stellen zu können – bisher ist mir allerdings noch nicht DIE Idee gekommen.

 

Die Transportfreigabeuntersuchung am nächsten Morgen ging wunderbar zügig, so dass wir uns schon um 9:15h auf den Heimweg machen konnten.

 

Nach nur 2:45h Fahrt erreichten wir die Ausfahrt Bottrop, das Pony stieg topfit und mit herrischem Blick vom Hänger und kontrollierte erstmal, ob auch noch alles in Ordnung sei.

Mit mittlerweile recht erheblichem Schlafmangel räumte ich den Hänger aus und fegte, den Sulky beließ ich im Panzer und wollte nur noch schnell den Hänger zurück nach Großenbaum bringen… leider war ab der Ausfahrt Meiderich die Autobahn vollkommen zugestaut, so dass ich bis zum Kreuz Duisburg Nord NUR eine dreiviertel Stunde brauchte… ein erfolgreicher Abschluss einer erfolgreichen Fahrt!

 

Fazit: Elkes Veranstaltung war wirklich schön. Familiär und liebevoll organisiert. Für unser aller Wohlergehen haben sich Elke sowie Helfer fast ein Bein ausgerissen, so dass trotz widriger Umstände die Distanz für uns so angenehm wie möglich zu überwinden war.

Das  Wetter allerdings… ich glaube, ich werde diesen Fluch nie los.

 

Die Beschläge haben übrigens gehalten und sind immer noch benutzbar.

 

Sebastian hat wieder schöne Fotos gemacht: guckstu unter www.pixelinvasion.de

 

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