wuemmetal2006

18.06.2006 – Wümmetal Distanz, 120km 

"geschüttelt, nicht gerührt"

 

Nachdem der Saisonstart beim Peerschiet Run zwar sehr nass, kalt und stürmisch, aber ponymäßig recht zufriedenstellend gewesen war, schmiedete ich Pläne für die weitere Zeit.
Kurzfristig erzählte mir Yvonne, dass man in Wümmetal auch fahren könnte, allerdings in der Reiterwertung, die Distanz war nicht offiziell als Fahrt ausgeschrieben. Und sie hätte auch vor, mit Rasputin dort die 120km anzugreifen.

Kurzentschlossen versuchte ich, zu nennen, wobei mir schon auffiel, dass der Veranstalter etwas chaotisch zu sein schien. Aber das hatte immerhin den Vorteil, dass der ganze Spaß keine Nachnenngebühren kostete!
Freitagmorgen wollte ich losfahren.
Donnerstagabend schaute ich mir dann mal an, wo Rosebruch, der Veranstaltungsort, überhaupt lag, und bekam einen mittleren Herzkasper, denn es waren nur 320km.
Naja, genannt ist genannt und jetzt kneifen, nur weil es 60km weiter war als gedacht, galt ja wohl nicht.

Am Freitagmorgen konnte ich mich erstaunlich früh auf den Weg machen, mein Pony war erstaunlicherweise unverletzt, der Hänger schnell gepackt, und trotz einiger kurzer Verfahrer war ich schon gegen 15h bei MK Arabians, dem Veranstaltungsort.

Erste! Ich bin vorher noch nie als erste dagewesen

Ich suchte mir einen strategisch günstigen Platz, an dem mein kleiner Paddock Windschatten durch einen großen Komposthaufen (oder so etwas Ähnliches), das Wohnhaus und mein Gespann hatte. Dort wuchs zwar nicht besonders viel Gras, aber ich hatte ja reichlich Heu dabei und die stürmische Nacht beim Peerschiet Run war mir noch in lebhafter Erinnerung.

Nachdem ich alles fertig aufgebaut hatte und schon eine kleine Runde mit dem Pony spazieren war, kamen Yvonne mit Rasputin und ihrer Trosserin Petra, die sich neben uns aufbauten.
Wir verbrachten einen netten Nachmittag, eine relativ ereignislose Voruntersuchung (bei der ich gefragt wurde, ob das Pony ein Camargue wäre) und einen schönen Abend.
Yvonne kocht gern und kann auch sehr gut kochen - und ich schmarotzte mich hemmungslos durch. War das peinlich. Ich hatte zwar einen Plastikteller dabei, aber sogar den Löffel vergessen.

Das Wetter war gut!
Bis zum nächsten Morgen...
... da war immer noch schönes Wetter, aber es war einfach nur schweinekalt.
Vor dem Start entschied ich mich, meine neuen Gamaschen anzuziehen. Habe für Dreckswetter Wanderergamaschen gekauft aus so ner Art imprägnierten Cordurazeugs. Die halten Spritzwasser und Fahrtwind ab (geile Erfindung, die Dinger, auch wenn eigentlich für nen anderen Sport gedacht).
War auch gut, dass ich die anhatte! War zwar nicht nass, aber wirklich eisekalt und windig. Was für ein dämlicher Sport.

Wir starteten im Massenstart mit den Reitern auf einer Wiese. Massig viele Reiter waren es zwar nicht, wenn ich mich recht entsinne, aber so gab es wenigstens keinen Stress
Die ersten paar Reiter ließen wir vor, die Dritte trödelte irgendwie zu sehr, so dass Yvonne und ich uns gemeinsam auf den Weg machten.
Einen Kilometer nach dem Start überholte uns die dritte Reiterin, aber das war uns ja auch herzlich egal.


Die Strecke bestand nur aus einer Runde à 60km, die zweimal abzufahren war. Nach der Hälfte, also nach 30km, gab es ein Vet-Gate. Hier würde man auch nach anderthalb Runden, also 90km, in der Wertung aufhören können. Das ist immer ne schöne Sache, wenn man unterwegs merkt, dass das Pferd vielleicht doch nicht so fit ist wie erwartet und man meint, die avisierte Streckenlänge nicht mit gesundem Pferd schaffen zu können - oder wenn sonst irgendwas Doofes passiert, das einen behindert.
Teile der 60km-Runde waren auf Hin- und Rückweg identisch. Deshalb war mit unterschiedlichen Farben markiert: gelb für den Hinweg, orange für den Rückweg und beide Farben für die Streckenteile, die identisch waren.

Schon bald kamen wir an eine Kreuzung, an der es laut Karte (wir lesen beide immer mit... traumatische Erfahrunge) nach links abgehen sollte - es ging aber nach rechts ab und außerdem war die Markierung orange.
Nach kurzer Beratschlagung drehten wir um und suchten nach dem Abzweig nach links, der sich auch 100m später fand. Etwas versteckt war der Weg, und die Markierung erst! Naja, hab ich mir wenigstens nicht umsonst für ne Mörderkohle die Augen lasern lassen.
Nach dieser Erfahrung achteten wir noch mehr auf die Karte.
Das nächste Stück war ganz gut markiert... dafür erreichten wir die Schlaglöcher.

Eine Freundin aus dem Netz, die dort in der Nähe wohnt, hatte mich schon Tage zuvor vor den Schlaglöchern gewarnt. Ich hatte das aber abgetan, "die Sulkys sind gut gefedert!".
Auch, dass sie die Warnung noch dreimal wiederholte, konnte mich nicht wirklich schrecken. Naja, was hätte ich auch machen sollen.

Dafür war die Freude umso größer, als wir einen feingeschotterten Weg entdeckten, der bis zum Horizont mit tiefen breiten Kratern gespickt war. Mein entsetzter Gedanke "Was ist DAS?" ging im Rumpeln meiner Bandscheiben unter, und Yvonne rief nach 500m von hinten: "Wenn das so weitergeht...!"
Natürlich ging es so weiter.

*Bauch- und Rückenmuskulatur bewusst entspann und in den Hüften die Löcher mitschwing, dass Shakira Kulleraugen kriegt*.

Die Ponies waren auch irgendwie angesickt, weil ihnen mit schöner Regelmäßigkeit die Scheren in den Rücken krachten.

Markiert war mit jedem Kilometer, den wir schafften, schlechter. Ab und an fehlte die Markierung auch ganz. Aber da wir ja die ganze Zeit auf der Karte mitlasen, konnte uns das nicht schockieren.
Die meiste Zeit fuhren wir so, dass ich vorfuhr, wir uns beide abwechselnd zuriefen, ob wir abbiegen mussten, und hin und wieder konnten wir dann auch einen kleinen gelben Stein oder ein Bindebändsel in einem Gestrüpp finden.

Kurz vor der ersten Pause trafen wir unsere Trosser, die uns schon von Weitem ankommen sahen.
"Seid ihr besoffen oder warum fahrt ihr Schlangenlinien?!"
Sehr witzige Umschreibung eines Schlaglochumfahrversuches.

Die Eingangsuntersuchung zur Pause verlief bei km 30 bei beiden Ponies problemlos.
Leider gab es dort kein hohes Gras und kein Heu oder Stroh, sondern nur Steppe, so dass mein Pony ein echtes Problem hatte, eine schöne Stelle zum Pinkeln zu finden... normalerweise pinkelt er alle 30km, da kann man die Uhr nach stellen. Machte mir etwas Kopfzerbrechen, als er nicht pinkelte.

Nach der Pause machten wir uns fröhlich weiter auf den Rückweg und nach weiteren 10km fand mein Ponylein endlich eine schöne Stelle zum Pinkeln.
Man, dass man so erleichtert ist, nur weil der Gaul sich bequemt, sein Wasser abzuschlagen.

Die weitere Rückfahrt zum Start/Ziel bzw. der 60km-Pause verlief ereignis- und problemlos, ab und an erspähten wir ein Stück Markierung und freuten uns.

In dieser Pause gab es tolles hohes Gras, das ist immer eine tolle Sache, Gras ist gesund und es ist viel Wasser drin.

Rasputin war im Puls nicht gleich bei 64, ansonsten waren beide Ponies superfit und strotzten vor Kraft und Lauffreude.
Eine halbe Stunde später fuhren wir gemeinsam wieder auf dieselbe Runde. Was erfreuten wir uns an den ersten paar Kilometerchen, auf denen es noch keine Schlaglöcher gab! Aber die erschienen jetzt noch kürzer als zuvor und bald darauf ging das Gerumpel wieder los.
Ätzend.

Kurz vor der 90km-Pause überholten wir eine Araberreiterin, die mit ihrem Pferd am Wegesrand entlanglief.
Nachdem wir vorbeigegangen waren, stieg sie wieder auf und trabte uns hinterher. Kurz drauf überholte sie uns gar, auch wenn das damit gestraft wurde, dass das Tier hundert Meter weiter das Laufen aufhörte.
So überholten wir also wieder, denn wir fuhren immer noch den gleichen Trott wie zu Anfang, und die Araberreiterin blieb dann auch bis zur Pause hinter uns.

Auch dieses Vet-Gate verlief für alle Pferde problemlos. Die Araberreiterin entschloss sich, hier in der Wertung aufzuhören. Yvonne und ich hatten vorher überlegt, ob wir es riskieren wollten, und wir wollten.

In dieser Pause gab ich, nachdem ich einen Pipitanz für mein Pony aufgeführt hatte (wir erinnern uns - das war die Pause, in der ihm der Boden nicht passte) und mein Pony dann auch wirklich brav gepinkelt hatte, meiner Müdigkeit nach.
Ich drückte meiner Trosserin den Führstrick in die Hand, sollte sie doch aufpassen, dass der Kleine genug trank und fraß, und setzte mich an den Rand unter einen Lattenzaun, so dass ich mein Kinn auf die unterste Latte legen und die Augen schließen konnte. Ich hab bei 80-90km rum immer nen Müdigkeitsdurchhänger.
Natürlich war das ein passender Moment für eine Schaulustige, mich anzusprechen (klar - sehe bestimmt unheimlich freundlich und einladend aus, wenn ich so da sitz).
Ob Fahren wohl anstrengend wäre? Nein, seh ich etwa so aus?
Und ob Fahren ganz genauso wäre wie Reiten? Aber sicher doch, sieht man ja schon allein an der Sitzposition auf dem Sulky!

Wieso sie nach diesen zwei nett beantworteten Fragen allerdings schmollend abzog, ist mir bis heute ein Rätsel.

 

Frisch und fröhlich liefen die beiden grauen Pferdchen aus der 90km-Pause los gen Heimat. Das gibt natürlich den totalen Motivationsschub bei Pferd und Mensch!

Bei km100 fingen die Schlaglöcher langsam an, mir wehzutun. Muskeln lockerlassen, um den Verrenkungen des Sulkys nur mit dem Oberkörperunterteil zu folgen und in den Schultern aufrecht zu bleiben, ist ganz schön anstrengend auf die Dauer.
Und meine rechte Schulter tat langsam weh.
Naja, im Vergleich zum letzten 120er ging es mir noch richtig gut!

Die Ponies liefen gleichmäßig weiter bis ins Ziel und wir konnten es kaum glauben, als wir auf den letzten Kilometern endlich keine Schlaglöcher mehr unter uns hatten.

Im Ziel angekommen, spannten wir die Ponies ab, deckten sie mit ihren Abschwitzdecken ein (denn tatsächlich regnete es nicht!) und ließen sie ins Gras, denn sie hatten einen Mörderhunger. Da kann man unterwegs noch soviel füttern, irgendwann haben sie Hunger, wenn man auch noch so langsam ist wie wir.

Kurz darauf ging es auch schon zur Nachuntersuchung, denn die ist ja bei langen Strecken bekanntlich schon innerhalb 30 Minuten nach Zieleinlauf.

Vimpy wollte den Wettbewerb für den niedrigsten Pulswert gewinnen (hat er, 40bpm) und auch sonst war er einfach toll beieinander. Dass ein Pony nach so einer Strecke so toll aussehen kann - man, war ich stolz auf den Kleinen.
Und der Tierarzt war ganz meiner Meinung
J
Auch Rasputin war superfit und sah gar nicht angestrengt aus.
Was für ein toller Tag.
*restlos glücklich*

 

Der weitere Abend nach der Nachuntersuchung verlief relativ ereignisfrei. Ich schnorrte mich bei Yvonne und ihrer Trosserin Petra durch, denn ich hatte zwar nen Kocher und nen Teller dabei, hatte aber sinnigerweise sowohl die Konserven als auch Besteck vergessen.


Zwischendurch erzählte Petra eine witzige Begebenheit:

Sie fuhr mit Yvonnes Terrano zum nächsten Trosspunkt und musste dabei zwangsläufig auf einer der Schlaglochpisten fahren.
Am Anfang der Strecke wurde sie von einem alten Opa mit Fahrrad angehalten:
"Sie können hier nicht fahren! Sie machen sich das Auto kaputt! Gucken Sie doch mal, die Löcher!"
"Aber ich muss hier durch"
"Nein, lassen Sie das, Sie ruinieren sich Ihr Auto!

Ach, und da hinten kommen zwei Mädchen mit Kutschen, na, von denen ist das auch keine gute Idee, hier langzufahren.

Und was mach ich hier eigentlich mit dem Fahrrad?!"

 

Relativ zeitig gingen wir schlafen, denn am nächsten Morgen vor der Siegerehrung fand ja noch die Transportfreigabeuntersuchung statt und davor müssen die Pferdchen ja geputzt, warmgeführt und gelockert werden.

Am nächsten Morgen erwartete uns strahlender Sonnenschein und wolkenlos blauer Himmel.
Und zwei gutgelaunte, putzmuntere kleine graue Ponies, die voller Tatendrang mit uns spazierengingen und aussahen wie aus dem Ei gepellt.
So war denn auch die Trapo-Freigabe kein Problem für uns.


Nach und nach versammelten wir uns alle um den Gabentisch, nur der Veranstalter (der die Siegerehrung moderierte) fehlte noch.
Naja, der kam dann etwas später auch noch an, leicht schusselig isser.

Wir waren mittlerweile nicht mehr so viele; Peter Baumann war auch die kompletten 120km durchgeritten, das Mädel mit dem Araber, der nicht mehr alleine weiterlaufen wollte, hatte ja schon bei 90km in der Wertung aufgehört... und die anderen Starter hatten sich direkt ab der ersten Abzweigung, da, wo wir uns auch kurz verschusselt hatten, so verritten, dass sie anschließend entnervt aufgaben (auch ne Art, sich weit vorne zu platzieren... einfach Karte lesen können, hihi).
Die Teilnehmer, die sich verritten hatten, waren auch gestern schon abgereist, so dass sich bei der Siegerehrung nur noch wir paar Leutchen befanden.

Der Veranstalter leitete die Siegerehrung mit einem Dankeschön an seine Helfer (die auch schon fast alle zu Hause waren) ein.
Dann sprach er den folgenschwersten Satz seines Lebens, denn die Entrüstung der Ponyfahrerinnen wird ihm auf ewig sicher sein:

"Ich habe leider nur einen Pokal gekauft, denn, Peter, ich dachte, du bist bestimmt der Einzige, der durchkommt.
Aber bei Hitze hättet ihr (Blick zu Yvonne und mir) das ja auch nicht geschafft mit den Ponies."

*Mund aufklapp*
*Worte wegbleiben*
*ungläubig guck*

Yvonne war die erste, die mit dem Dummgucken fertig war, und wollte gerade anheben, zu erklären, dass das ja wohl kein Größenproblem wäre, da er schon weiter.

Zunächst rief er die Araberreiterin auf, die mit ihren 90km zwangsläufig Vierte geworden war - dann Yvonne und mich, wir waren also auf dem zweiten Platz gegen große arabische Konkurrenz gelandet - und wir durften uns Sachpreise aussuchen...
... Yvonne entschied sich für die Regendecke in 1,35m Rückenlänge (ihr Pony hat Stm. 1,15m) und für mich blieb dann ein Westernpad *dummguck*.
Erster war natürlich Peter Baumann geworden, und den BC hat er auch bekommen, war ja auch viel schneller als wir


Nunja. Das schöne Wetter, eine stressfreie Heimfahrt und vor allem ein wirklich einfach nur wunderbar perfekt fittes Pony entschädigten dann für den fiesen Nachgeschmack der Siegerehrung.
Sowas muss doch echt nicht sein. Als ob man mit den Kleinen nicht schon oft genug belächelt würde...

Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!